Die BPI Geschäftsführung im Interview

Interviewtermin mit Silvia und Axel Hamann in den Büro-Räumen des Best Practice Institutes in Wiesbaden. An den Wänden hängen Bleistiftzeichnungen von berühmten Persönlichkeiten, darunter Roger Willemsen, Charlie Chaplin und Dirk Nowitzki.

Silvia: Die hat Axel gezeichnet. Bis vor ein paar Jahren wusste ich gar nicht, dass mein Mann so gut zeichnen kann. Erst als unsere Tochter ihn aufgefordert hat, eine Katze zu malen, habe ich das entdeckt. Dass Axel kreativ ist, wusste ich schon lange, aber dass er so gut malen kann…

Warum haben Sie gerade diese 17 Persönlichkeiten ausgewählt?

Axel: Was alle gemeinsam haben, ist, dass sie sich selbst nie limitiert haben. Sie sind zwar für eine Sache berühmt geworden, haben aber auch anderes ausprobiert. Und es ist nicht so, dass sie in den anderen Bereichen super sind. Sie haben es aber trotzdem gemacht – für sich selbst.

Was ist so schlimm daran, sich zu fokussieren?

Ich finde, wir streben zu oft nach Exzellenz in einem Punkt. Ich zum Beispiel habe Chemie studiert und auch als Chemiker gearbeitet. Ich war aber sicher kein brillanter Chemiker. Ich kann viele Dinge, bin aber nirgendwo exzellent. Wenn ich die Bilder betrachte, sehe ich, wo ich nochmal drüber gehen könnte.

Silvia: Mir würde gar nicht auffallen, wo es nicht perfekt ist. Axel und ich haben unterschiedliche Fähigkeiten. Zusammen sind wir ein super Team, weil wir uns gegenseitig ergänzen und unterstützen. Axel ist der Stratege, der alles durchdenkt. Ich bin die Verkäuferin, die Begeisterung weckt und unsere Ideen und Dienstleistungen zum Kunden bringt.

Das Best Practice Institute wird dieses Jahr 10. Wie hat denn alles angefangen?

Silvia: Ich war vor meiner Selbständigkeit für den größten Kongress, den es in Europa zum Thema Einkauf gibt, verantwortlich. Zusammen mit einem Team habe ich 6 Jahre lang das Gesamtkonzept für den BME, den Verband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik, entwickelt. Ich hatte großartige Leute in meinem Team, aber trotzdem habe ich gedacht, dass man gewisse Dinge besser machen könnte. Axel war damals noch Unternehmensberater, hat mich aber von Anfang an unterstützt.

Was war die Vision? Wo wollten Sie hin?

Silvia: Unsere Idee war ein Weiterbildungsinstitut mit erfahrenen Trainern, die ihr Fach von der Pike auf gelernt haben. Leute aus der Praxis, die ihr Wissen mit Leidenschaft weitergeben.

BPI hat viele namhafte Kunden. Wie haben Sie die bekommen?

Silvia: Wir haben bei null angefangen, ich musste viel Kaltakquise machen. Jeder einzelne Kunde ist hart erarbeitet. Es ist Beziehungsmanagement. Wenn ich jemanden kennenlerne, dann bleib ich am Ball. Mit Leuten reden, begeistern, netzwerken, das kann ich gut. Und ich habe kein Hierarchiedenken. Ich kann mit jedem kommunizieren, egal welchen Bildungsstand oder kulturellen Hintergrund er hat.

Welcher Misserfolg war die Voraussetzung für Ihren jetzigen Erfolg?

Axel: Ich hatte Chemie studiert, weil ich es interessant fand, weil ich die Welt verstehen wollte. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, welchen Job ich damit machen könnte. Das hat mich irgendwann eingeholt. Ich hatte keine Lust, den Rest meines Arbeitslebens im Labor zu stehen und zu überlegen, wie ich eine Atombindung aufbreche oder wie ich ein stabileres Molekül synthetisiert bekomme. Das hat mich dazu gezwungen, darüber nachzudenken, was ich wirklich machen will. Und dann hab ich gemerkt: mein Beruf muss einen Sinn haben, ich möchte wirksam sein, etwas in der Gesellschaft bewegen.

Silvia: Ich wollte Sport studieren und habe leider irgendwann an den Knien Probleme bekommen. Ich musste mir also was anderes überlegen. Erst wusste ich nicht, was ich machen sollte. Dann habe ich gespürt, ich muss einfach mal weg aus dem kleinen Dorf, wo ich herkomme, und den Blick über den Tellerrand werfen. Ich bin dann für anderthalb Jahre nach Chicago. Da habe ich ein ganz anderes Bild von der Welt bekommen. Ich bin dabei persönlich gewachsen, habe mein Selbstvertrauen gestärkt.

Welche Überzeugungen oder Rituale haben Ihren Alltag in den vergangenen 5 Jahren am meisten verändert?

Silvia: Meine Überzeugung ist, dass man alles schaffen kann, wenn man es nur wirklich will. Falls es trotz großem Einsatz nicht funktionieren sollte, wird sich eine andere Tür öffnen. Vielleicht eine noch bessere….

Axel: Es ist was Triviales, was meinen Alltag positiv beeinflusst hat: ich mache mir jeden Morgen im Büro einen Kaffee und gönne mir 10 Minuten Ruhe. Ich gehe freudiger in den Tag, weil ich weiß, ich habe jetzt erst mal 10 Minuten Ruhe, kann mich fokussieren und muss nicht gleich mit 100 km/h in den Tag starten.

Wenn Sie diese Kaffeemediation machen, versuchen Sie dann an nichts zu denken oder dürfen die Gedanken kommen?

Ich versuche nicht zu denken, aber trotzdem kommen die Ideen. Wenn ich einen Einfall habe, dann skizziere ich die ersten Schritte und lege sie in einen Ordner. Da müssen sie erst mal drin liegen bleiben, damit ich Abstand bekomme und besser bewerten kann. Irgendwann guck ich mir dann den Ordner durch und denke manchmal: Coole Idee, die muss ich dringend umsetzen.

Wann sind Sie mit sich und Ihrem Tag am meisten zufrieden?

Axel: Schwierige Frage. Wenn ich den Stand-by Knopf gefunden habe – und das gelingt nicht oft. Manchmal passiert es beim Laufen, also wenn ich jogge, dann hat mein Körper genug anderes zu tun und ich empfinde Klarheit und Ruhe. Ja, wenn ich diesen Knopf finde, dann bin ich eine Zeit lang zufrieden.

Silvia: Ich gehe zufrieden ins Bett, wenn ich meine „to do“ Listen geschafft habe. Was nicht so oft vorkommt, aber das liegt ja an mir – ich müsste ja nicht so viel draufschreiben. Wenn ich mit meiner Tochter eine schöne Zeit hatte. Oder wenn ich mit Axel ein gutes Glas Wein getrunken habe und wir ein schönes Gespräch hatten, dann freue ich mich darüber und gehe beseelt ins Bett.

Was steht denn in den nächsten 10 Jahren an?

Axel: Mein Wunsch für die nächsten 10 Jahre ist es zu wachsen, aber nicht aus dem Gleichen heraus, wie es viele andere machen, sondern aus dem Besseren zu wachsen, aus neuen Ideen. Das ist mein Wunsch, und da sind wir bereits auf einem guten Weg.

Was ist das Interessanteste, das Sie gerade in der Pipeline haben?

Axel: Das Coolste sind unsere gamifizierten Trainings, ganztätige Lernspiele.

Silvia: Als ich davon das erste Mal gehört habe, dachte ich: wieder eine neue „Sau“, die durchs Dorf getrieben wird. Für die Umsetzung dieser Idee hatten wir einen Gamification-Berater, jemanden, mit dem Axel alles ausdiskutieren konnte. Und das hat auch mal die halbe Nacht gedauert. Als wir den ersten Testlauf gespielt hatten, war ich Feuer und Flamme. Und wenn ich einmal begeistert bin, dann kann ich das Produkt auch mit Begeisterung verkaufen.

Axel: Als wir das in Brasilien gespielt haben, ist uns was Unglaubliches passiert. Wir teilen in diesem Verhandlungsspiel die Gruppe auf in eine Einkaufsabteilung und in 3 Vertriebsabteilungen, die an einem Tag den Verhandlungsprozess von der Ausschreibung bis zur Vergabe nachstellen. Auf Basis einer Ausschreibung verhandeln die Teilnehmer den ganzen Tag und am Abend muss die Einkaufsabteilung sagen, bei wem kaufen wir jetzt was und zu welchen Konditionen. Wir suchen für das Einkaufsteam immer einen Projektleiter, der während des Spiels das Team leitet. Da hat sich dann ein junger Kollege gemeldet, er würde sich das zutrauen. Im Verlauf des Tages hat er relativ viele Fehler gemacht und wir haben ihn immer wieder gecoacht. Es war nicht einfach, aber er hat immer wieder versucht, in der nächsten Runde das Feedback umzusetzen.

Wir starteten den 2. Tag mit ein paar offenen Fragen und dann steht der Projektleiter-Kollege plötzlich auf und legt los: Er möchte sich entschuldigen bei seinen Teammitgliedern, weil er es ihnen schwer gemacht hat und er zählte auf, was er gelernt hat. Er hat sich auch bei den anderen Teams entschuldigt, weil erheute wisse, dass sein Verhalten nicht korrekt war. Und so weiter. Man hat richtig gemerkt, dass er sich die ganze Nacht Gedanken gemacht hat.

Anschließend hat er von seinen Kollegen Standing Ovations bekommen. Ich hatte Tränen in den Augen. Das sind die Gründe, weswegen wir diese Firma gegründet haben. Wenn du solche Erlebnisse hast, dann ist das eine so schöne Bestätigung, ein paar Dinge genau richtig gemacht zu haben.

Zum Schluss noch eine Frage, die mich als Filmemacherin interessiert: wenn Ihr Leben ein Film wäre – was wäre der Titel?

Axel: „Wo ist der Stand-by Knopf?“

Silvia: Axel wieder – total kreativ! Mein Filmtitel wäre ganz einfach: „Alles wird gut“. Ich finde das Leben ist super, und ich glaube auch immer daran, dass alles gut wird.

Das Interview führte

Simone Grabs

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