Ein Kommentar: Denken trotz Google

Neulich hat mich meine 9-jährige Tochter gefragt: „Lügt Google eigentlich auch mal?“ Eine bemerkenswerte Frage, die wir uns alle viel öfter stellen sollten. Damit stellt sie etwas in Frage, was die meisten Internet-Nutzer nie hinterfragt oder über die Jahre des bequemen „Googelns“ vergessen haben. Nämlich, ob alles richtig, geschweige denn wichtig ist, was Google als Treffer auf meine Suche hin anzeigt. Die ehrliche Antwort lautet: Google kontrolliert nicht die Richtigkeit von Aussagen auf Internetseiten. Wenn eine Website unter den ersten 10 Treffern angezeigt wird (und kaum einer sucht auf den hinteren Trefferseiten), heißt das nicht, dass hier Richtiges oder Wichtiges steht. Mit Gewissheit kann man nur sagen, dass eine gute SEO-Abteilung an der Seite gearbeitet hat.

Lügt Google auch mal?

Viel ist zum 20. Geburtstag von Google geschrieben worden über das Monopol, das Ausnutzen seiner Macht und das rigorose Aufkaufen möglicher Konkurrenten. Was oft in Vergessenheit gerät ist, dass das Internet – und mit dem Start von Google noch viel klarer – durch das Versprechen gewachsen ist, allen so viel Information wie möglich zur Verfügung zu stellen. Damit schien der Neugierde der Internetnutzer keine Grenzen gesetzt zu sein. Es dauerte aber nur wenige Jahre und das Versprechen hat sich zu der Aussage gewendet: „Ich brauche nichts mehr zu wissen. Ich frage einfach Google.“ Eine wundervolle Ausrede für ein umfangreiches „Wissen-Outsourcing“. Leider scheint damit auch ein „Denken-Outsourcing“ ein herzugehen. Meine Erfahrungen als Referent an einer Hochschule bestätigen diesen Trend: die Studenten sind äußerst fleißig (jedenfalls fleißiger als ich es damals war), aber das eigenständige Denken steht nach der Bologna-Reform nicht im Fokus der universitären Ausbildung. Als Lösung bekommt der Referent dann nicht eigenständige Gedanken präsentiert, sondern bestenfalls Wikipedia-Zitate.

Serendipität wird verloren gehen

Zu dieser Erfahrung passt der neuste Strategiewechsel von Google. Das Unternehmen möchte zukünftig schon Ergebnisse liefern, bevor überhaupt eine Frage gestellt wurde. Aus meiner Sicht birgt das eine Gefahr: je treffsicherer die Empfehlungen durch die unvorstellbar großen Mengen an persönlichen Daten sind, desto leichter lenkbar werden wir in unserer Filterblase. Und für immer verloren geht dabei wahrscheinlich die Serendipität, also die Möglichkeit Dinge zu entdecken, die man gar nicht gesucht hat – wie früher in der Bibliothek, als das Buch neben dem Gesuchten viel interessanter aussah und wir ähnlich wie Bastian aus der „Unendlichen Geschichte“ die Zeit um uns herum vergessen haben.

Mit der langjährigen Erfahrung, dass Lernen und Wissen das Leben bereichert, wünsche ich Ihnen viel Spaß, bei der Suche nach den spannenden und wichtigen Informationen und dem Zufall.

Axel Hamann

Ihr Best Practice Institute Team

https://www.best-practice-institute.com

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