Ein Kommentar: Erfahrungen eines Auslandstrainings

In Deutschland haben wir in den Trainings immer wieder Teilnehmer, die sich mit den folgenden Worten vorstellen: „Ich muss hier sein. Mein Chef schickt mich.“ Solange sich diese Personen ruhig verhalten und das Seminar nicht stören, wird sich niemand beschweren. Oft gelingt es uns aufgrund der spannenden Inhalte und abwechslungsreichen Trainingsgestaltung, die zu Beginn lustlosen Teilnehmer zu motivieren und aktiv einzubinden.

Wir möchten hier auch keine Diskussion über den Sinn einer Pflichtteilnahme für Trainings starten. Was wir jedoch während eines Trainings in Brasilien miterleben durften, hat uns zum Nachdenken gebracht. Während unseres Verhandlungsspiels „OPN“ benötigten wir einen „Projektleiter“ für ein Team. Wir versuchen diese Position immer an junge, in der Führung unerfahrene, Teilnehmer zu vergeben, um ihnen so die Chance zu geben, im geschützten Raum „Führung mal auszuprobieren“. In diesem Training hat sich sofort ein junger Teilnehmer gefunden, der sich dieser Aufgabe stellen wollte. Es wurde sowohl für ihn, als auch für uns als Coaches ein herausfordernder Tag. Im Spielverlauf blieb es nicht aus, dass Fehler gemacht wurden, Dinge aus dem Ruder liefen und ein paar hitzige Worte im Team gewechselt wurden. Wir haben ihn den Tag über unterstützt, gecoacht, auf Verbesserungspotentiale hingewiesen und konnten am Ende des Tages erkennen, dass er immer besser in seine Rolle gefunden hat und das Team besser zusammenarbeitete.

Lernen fängt eben oft außerhalb der Komfortzone an.

Der nächste Tag begann mit einer Diskussionsrunde über den allgemeinen Spielverlauf, die Emotionen während der Verhandlungsphasen und mögliche Verbesserungsoptionen. Gleich zu Beginn der Diskussionsrunde hat der „Projektleiter“ gebeten, etwas sagen zu dürfen. Er holte sein Handy hervor und verlas die Notizen, die er sich am Abend und in der Nacht zuvor aufgeschrieben hatte. Sein Verhalten und seine Erfahrungen aus dem Training haben ihm eine fast schlaflose Nacht bereitet. Er entschuldigte sich für einige Situationen bei seinen Teammitgliedern, er teilte Themen mit der Gruppe, die ihm besonders schwergefallen sind und listete Inhalte auf, die er heute besser machen würde und im gestrigen Spiel gelernt hatte.

Lessons learned mal anders

Die noch vom Vortag etwas überdrehte Stimmung wich sofort einer dankbaren Stille. Der Projektleiter hat mit dem Teilen seiner Gefühle und Lerneffekte, den fruchtbaren Boden für die gesamte Gruppe gelegt, um sehr viel aus dem Verhandlungsspiel zu lernen. Er zeigte, dass er sein Verhalten reflektiert und jede Chance nutzt, etwas zu lernen, um noch besser zu werden.

Wenn wir als Trainer einen Wunsch frei hätten: es wäre diese Offenheit der Teilnehmer Neues auszuprobieren und zu Lernen.

Vielen Dank an die Gruppe in Brasilien für diese Erfahrung.

Klaus Hillerich und Axel Hamann

Ihr Best Practice Institute Team

http://www.best-practice-institute.com

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