Gilt besonders in der Corona-Krise: Gehen steigert das Wohlbefinden

Shane O´Mara ist Naturwissenschaftler am Trinity College der Universität Dublin und in diesen Tagen ist sein neues Buch erschienen: „Das Glück des Gehens“. Darin befasst er sich populärwissenschaftlich mit den heilsamen Kräften des Spazierens, Flanieren und Umherlaufens. Selten passte ein Buch besser in die Zeit, in der der Spaziergang und der Gang zum Supermarkt zu den wenigen Dingen gehört, die noch erlaubt sind.

Ärzte empfehlen, dass ich Menschen trotz der sozialen Isolation an der frischen Luft bewegen sollen, weil es das Immunsystem stärkt und die Psyche. Und nach neuen Studien anscheinend auch das Denken. Wenn man läuft ist das Gehirn aktiver als wenn man sitz. Und wie viel soll man gehen? Sofern möglich, vier bis fünfmal die Woche, für mindestens 30 Minuten, rät O´Mara. Regelmäßiges Gehen verändert die Gehirnaktivität messbar zum Besseren. Die Blutzirkulation im Hirn wird zudem verstärkt. Wer viel gehe sei offener, besser gestimmt und es gebe Anhaltspunkte dafür, dass mobile Menschen seltener an Depressionen litten. Stetes Gehen verlangsame auch die Alterung des Gehirns. Bei Senioren, die für eine Studie dreimal in der Woche an leichten Wanderungen teilnahmen, wurde die normale Alterung der Hirnareale, die als Basis bei Lernen und Gedächtnis dienen weit gehen umgekehrt. Hören, Sehen und Reaktionszeit verbessern sich durch Märsche. Natürlich gelte das für jeden Sport aber Gehen sei sofort ohne Materialeinsatz umsetzbar. “Ich kann nur im Gehen denken“, schrieb der Philosoph Jean-Jacques Rousseau, Steve Jobs war für seine „Walking Meetings“ bei Apple bekannt und Immanuel Kant machte immer um 15 Uhr einen Spaziergang, um dann stundenlang zu schreiben. Geistesgröße und Gehen scheinen zu korrelieren und O´Mara kenne natürlich diverse Studien dazu. „Wenn wir gehen, werden der kreativer und können Zusammenhänge besser verstehen, als wenn wir sitzen.“ Am besten funktioniere das draußen am allerbesten in der Natur, wobei auch der Spiegel des Stresshormons Cortisol am stärksten gesenkt wird. Aber zur Not gehe auch ein Laufband und sogar Stehen sei besser als Sitzen. Probanden hatten doppelt so viele Ideen, wenn sie 10 Minuten zuvor gelaufen sind, als wenn sie vor der Aufgabe saßen.

Der Mensch ist heute ziemlich fußlahm. Informatiker der Universität Stanford haben die Schrittzahlen von fast 700.000 Personen in 46 Ländern anhand ihrer Smartphones ausgewertet, Handys haben ja inzwischen Schrittzähler. Die Welt lief im Schnitt 5000 Schritte am Tag, etwa 3 km. Klingt gar nicht so übel, wenn man die Zahl aber in Beziehung setzt zur Schrittzahl von Kleinkindern, sieht man wie verhalten die Gehfreude bei Erwachsenen ist. Der Nachwuchs kommt auf fast 2500 Schritte – pro Stunde. Manche Mediziner raten mindestens 10.000 Schritte am Tag zu laufen.

Da es derzeit zu den wenigen Dingen gehört, die wir ohne großen Aufwand tun dürfen, können wir jetzt gleich mit den ersten Schritten der täglichen 10.000 beginnen.

Viele Grüße vom Stehpult #zuhause

Axel Hamann

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