Was Teams von der Erfahrung der Nasa lernen können

Was brauchen Teams, um langfristig in extremen Situationen gut miteinander auszukommen? Es gibt kaum eine bessere Adresse für diese Frage als die NASA. Die hat dafür einen eigenen Berater: Jack Stuster. Er hat die Regeln des Zusammenlebens in der Enge einer Raumstation genau untersucht. Er ist sich sicher, dass diese Regeln uns auch eine Menge darüber verraten, wie Menschen generell in Teams funktionieren – ganz egal ob im Büro, in einer Familie oder im All.

Seit 16 Jahren interviewt Stuster regelmäßig die Astronauten und bittet jene, die gerade an Bord der „ISS“ sind, für ihn ein Tagebuch zu schreiben, dem sie alles anvertrauen dürfen und das nur er allein zu lesen bekommt. Aus seinem Wissen aus diesen Tagebüchern der Astronauten und über Expeditionen in andere extreme Gegenden, z.B. ins ewige Eis, hat er eine Art Bauanleitung für Teamwork unter Stress geschrieben.

Nichts, sagt er, untergräbt die Leistung einer Crew so sehr wie unrealistische Arbeitsziele. Das lässt den Eindruck entstehen, permanent zu scheitern. Als in den 70er-Jahren die Astronauten an Bord der Raumstation „Skylab“ ihren Zeitplan nicht einhalten konnten, strich die NASA der Crew die freien Tage. Die Mannschaft war so frustriert, dass sie streikte. Auch permanente Unterforderung ist für Teams fatal, die Zahl der Fehler nimmt dann messbar zu.

Als der Norweger Roald Amundsen 1903 auf der Suche nach der Nordwestpassage mit seiner Mannschaft in Dunkelheit und Kälte überwintern musste, nahm er keine Taschenmesser mit, sondern nur das Material, um an endlos langen Tagen in der Dunkelheit Messer von seinen Männern bauen zu lassen.

Learn to be idle without feeling guilty

Viele der Lehren von Stuster sind im Tagesablauf auf der „ISS“ verankert. So gibt es einen Esstisch an Bord der Raumstation, damit die Mannschaft einmal am Tag zusammenkommt, um das Gruppengefühl zu stärken. Gemeinsam essen – auf Stusters Empfehlungslisten für die NASA nimmt dieses Thema mehrere Punkte ein. Tatsächlich glaubt Stuster, dass genau jene Expeditionen und Teams erfolgreich sind, in denen Freizeit nicht als Problem, sondern als Lösung gesehen wird. „Learn to be idle without feeling guilty“ steht auf einem der Empfehlungshandouts für die NASA. Und tatsächlich hat die amerikanische Weltraumorganisation mittlerweile ein eigenes Unterhaltungsprogramm an Bord der „ISS“: eine Sammlung von Filmen, der beliebteste bei den Astronauten: natürlich Stanley Kubricks „Odyssee im Weltraum“. Und es gibt regelmäßige Videokonferenzen mit Stars, die die Astronauten aussuchen dürfen. Einer der am häufigsten zur „ISS“ hochgeschaltet wird ist William Shatner – alias Captain Kirk aus „Star-Trek“. Und um nach langen Schichten den Kopf frei zu bekommen, ließ die NASA nach Plänen Stusters sogar eine Aussichtskuppel bauen, in der die Crew Fotos von der Erde machen kann. Die Kuppel ist quasi „Disneyland für Erwachsene“.

Mitfühlen. Das Wohl der Gruppe im Auge behalten.

Ein weiterer Punkt für langfristig zusammengestellte Teams ist, dass reine Männerteams ihr Verhalten ändern, sobald auch nur eine Frau dabei ist – das hat sich bei Expeditionsteams in der Antarktis gezeigt. Die Männer wuschen sich regelmäßiger, tranken weniger Alkohol, und die Arbeitsleistung nahm enorm zu. Teams auf Langzeitmissionen sollten wissen, dass ihr Funktionieren und ihr Erfolg maßgeblich davon abhängen, dass man einen freundlichen Ton behält. „Mitfühlen. Das Wohl der Gruppe im Auge behalten. Verlässlich sein. Sich zurücknehmen. Wenn wir das schaffen“, sagt Stuster, „können Menschen miteinander tatsächlich Unglaubliches erreichen.“ In stressigen Phasen der allgegenwärtigen Projekte sollten wir uns daran häufiger erinnern.

Um den Kopf mal kurz frei zu kriegen, hier ein amüsanter Link wie man sich im All die Zähne putzt: https://www.youtube.com/watch?v=3bCoGC532p8

Viel Spaß bei der nächsten Space-Journey mit Ihrem Team.

Axel Hamann

Ihr Best Practice Institute Team

http://www.best-practice-institute.com

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