Über das Vergessen und das Erinnern

Ein Kommentar

Neulich habe ich ein Interview mit Carsten Brandenberg von der Memory Klinik Essen gelesen. Zu ihm kommen Leute die sich besser erinnern wollen. Mein erster Gedanke war, da muss ich hin. Er erzählte die Geschichte wie er einmal seine PIN Nummer vergaß. Er saß mit seinen kleinen Kinder im Auto zusammen mit einem Fisch in einer Plastiktüte, den sie gerade gekauft hatten. Er hielt noch schnell an einem Laden, wollte Bezahlen an der Kasse, die PIN eingeben, da kommt sein Sohn zur Türe rein und sagt die Tüte ist ausgelaufen, der Fisch zappelt. In so einer Situation setzt Panik ein, der Fluchtreflex wird aktiviert, das Gehirn blockiert. Die PIN war vergessen. Die gute Nachricht vom Experten lautet: da kann man dann nichts machen – abgesehen von den klassischen Entspannungstechniken, ein bisschen runterkommen, sich fokussieren, eine halbe Minute lang in den Bauch atmen. Wenn das dann nicht hilft, ist das einzige was man tun kann die Situation zu verlassen. Also weg vom PIN-Automaten. Sich entspannen. Nicht ärgern.

Meine PIN vergesse ich zum Glück selten, aber oft passiert es mir, dass ich gerade unter der Dusche stehe und eine vermeintlich geniale Idee habe, aber dann kommt irgendetwas dazwischen und plötzlich ist die Idee weg! Hier der Rat von Carsten Brandenberg: am besten noch mal duschen! Es kommt ja häufig vor, dass man in einen Raum geht und plötzlich nicht mehr weiß was man dort eigentlich wollte. In diesen Fällen hilft es dorthin zurückzugehen wo man die Idee hatte, die Situation möglichst genau wiederherstellen. Unser Gehirn verknüpft abstrakte Erinnerungen mit Bildern mit Emotionen, mit Gesichtsausdrücken. Also mit Informationen, die für das Überleben wichtig waren, lange bevor es Bankautomaten gab. Deshalb erinnert man sich häufig an scheinbar nebensächliche Details. Aber man kann sich das zunutze machen, wenn man die Idee wieder vergessen hat. Zurück gehen zu den scheinbar unwichtigen Details, wodurch die Idee entstanden ist. Wir sollten manchmal einfach mehr entspannen. Ein hoher Prozentsatz hat solche Aussetzer, aber wir denken immer gleich mit dem Gedächtnis stimmt irgendetwas nicht. Dabei ist alles in Ordnung. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen, wenn man die Brille verlegt hat. Erst wenn wir uns nicht mehr daran erinnern, dass wir überhaupt eine Brille haben.

Ich persönlich habe schon lange aufgehört mir darüber Sorgen zu machen. Ich habe es akzeptiert und alles darauf ausgelegt, in der kurzen Zeit in der sich die gute Idee an der Oberfläche zeigt, sie festzuhalten und aufzuschreiben. Im Bad liegt Stift mit Block, genauso neben dem Bett und auf meinem Schreibtisch eine dicke Ideen-Mappe gefühlt mit vollgekritzelten kleinen Zetteln. Von Zeit zu Zeit lese ich mir die Zettel durch und bin oft überrascht über welche Dinge ich mir schon einmal Gedanken gemacht habe.

Ein Kommentar von

Axel Hamann

www.best-practice-institute.com

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