Meditieren ist das neue Joggen

Chade-Meng Tan galt sein Leben lang als Computer-Nerd: Mit 12 brachte er sich selbst das Programmieren bei, mit 15 gewann er den ersten Talentwettbewerb. Tan studierte Informatik und nach seinem Abschluss im Jahr 2000 schickte er „nur mal so“ eine E-Mail mit seinem Lebenslauf an eines der vielen Start-ups.

Binnen fünf Minuten erhielt der junge Chinese ein Jobangebot. Es kam von Google. Tan ging als Mitarbeiter Nummer 107 zum Suchmaschinenbetreiber und ist wie viele Kollegen der ersten Stunde reich geworden. Doch glücklich wurde er nicht. Denn neben seiner Leidenschaft für Computer schwelte ein noch größerer Wunsch in ihm: „Ich wollte etwas bewegen. Die Welt verändern. Für Frieden sorgen“, sagt Tan. Nach drei Jahren als Programmierer im hektischen Google-Alltag beschloss der Ingenieur, endlich glücklich zu werden.

Heute ist der quirlige Chinese mit dem markanten Lächeln nur noch in Teilzeit für Google tätig. Sonst hält er Vorträge über Meditation. Es geht darum, durch Meditation die eigene Aufmerksamkeit zu verbessern, Emotionen unter Kontrolle zu haben und auf Kollegen und Kunden besser einzugehen. Die Meditation scheint für Führungskräfte das neue Joggen zu sein. Der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, schwört auf Meditation und Yoga. Bei den Navy Seals ist Meditation ein fester Bestandteil der Ausbildung. SAP, LinkedIn, Goldman Sachs und Google bieten Yoga oder Achtsamkeitskurse für ihre Mitarbeiter an.

„Untersuchungen haben gezeigt, dass regelmäßiges Meditieren die Gehirnstruktur verändert. Aber nicht nur dass: So lassen sich auch Stress reduzieren, Menschen zeigen mehr Mitgefühl und werden empathischer für ihre Umwelt“, sagt Britta Hölzel, die als Neurowissenschaftlerin auch an der Harvard Medical School in Boston arbeitet. Für die Wissenschaftler ist Achtsamkeit bei Führungskräften deshalb nicht nur wünschenswert, sondern ein absolutes Muss ist. „Achtsames Handeln fördert nicht nur die Gesundheit, sondern auch Teamgeist, Kreativität und Produktivität“, unterstreicht auch Niko Kohls, Achtsamkeitsforscher und Professor für Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg.

Schon nach acht Wochen sind Veränderungen im Gehirn erkennbar, speziell in den Regionen, die für Gedächtnis, Selbstwahrnehmung, Empathie und Stress zuständig sind. Das heißt konkret: Menschen, die nur acht Wochen an einem achtsamkeitsbasierten Stressreduktionskurs teilgenommen haben – und auch zuhause geübt haben – sind konzentrierter und können ihre Gefühle besser kontrollieren.

Ihren Ursprung hat die Achtsamkeitsbewegung in den USA, wo sie vom Molekularbiologen Jon Kabat-Zin begründet wurde. Mittlerweile lernen weltweit Millionen von Menschen seine sogenannte Mindfulness-Based Stress Reduction-Methode, die neben Achtsamkeitsübungen auch Meditation und Yoga beinhaltet. Sie soll dabei helfen chronische Schmerzen besser zu ertragen, aber auch Stress reduzieren.

Mit Stress und Druck umzugehen, müssen vor allem Führungskräfte lernen. Während sie früher ihren Frust und Ärger weggelaufen haben, ziehen sie sich heute in sich zurück. Der Vorteil liegt auf der Hand: Statt sich an immer neuen Zeiten oder in Wettkämpfen zu messen, geht es um Stillsein und Innehalten.

So haben sowohl die Harvard Business School als auch die französische INSEAD, eine der weltweit größten und renommiertesten Business Schools, herausgefunden, dass Meditation und Intuition zu zwei der effektivsten Mittel der Unternehmensführung zählen. Manager, die ihr Führen damit verbinden Macht und Kontrolle auszuüben, gibt es immer weniger. Denn auch Führungskräfte nehmen verstärkt wahr, dass eine Fokussierung oder Konzentration auf nur eine Sache ganz schön schwierig ist, wenn man gleichzeitig so viele Dinge um die Ohren hat.

Axel Hamann

www.best-practice-institute.com

www.lebenslanglernen.de

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